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HPU – die unterschätzte Stoffwechselstörung

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Von der genetisch bedingten Stoffwechselstörung HPU (Hämopyrrollaktamurie) ist schätzungsweise eine von zehn Frauen betroffen und einer von hundert Männern. Trotz dieser weiten Verbreitung ist die Erkrankung leider wenig bekannt. Die Symptome sind sehr zahlreich und reichen von blasser Haut, weißen Flecken auf den Nägeln und Gelenkschmerzen über Erschöpfungszustände und Allergien bis hin zu Burnout und Depression.

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HPU-Fragebogen (PDF) zum Ausdrucken und Ausfüllen

Das ganze Interview zum Nachlesen

Was ist HPU?

HPU ist die Kurzform für Hämopyrrollaktamurie, einer vererbbaren Stoffwechselerkrankung. Ganz einfach gesagt handelt es sich um einen Mangel an aktiviertem B6 und Zink, der mit der Ernährung nicht ausgeglichen werden kann.

Wie viele Betroffene gibt es?

Schätzungen gehen davon aus, dass 10% der Frauen und 1% der Männer betroffen sind. Die Häufigkeit ist unter chronisch Kranken, die regelmäßig Arztpraxen aufsuchen, sicher um einiges höher. Bei psychisch kranken Menschen geht man davon aus, jeder zweite davon betroffen ist.

Was hat dazu geführt, dass Sie sich mit HPU eingehend beschäftigen?

Alle Erkrankungen und Symptome, mit denen ich mich ausführlich beschäftige, habe ich entweder selbst durchgemacht oder in meinem nahen Umfeld miterlebt. In diesem Fall war es eine gute Freundin, die Anfang 20 von einem Tag auf den anderen mehrere Nahrungsmittelallergien entwickelt hat. Da nach dem Essen verschiedenster Nahrungsmittel heftigste Reaktionen wie Atemnot erfolgten und sogar zweimal die Rettung kommen musste, traute sie sich irgendwann nur noch Reis und Kartoffeln zu essen und nahm stark ab. Ein Allergietest war leider nicht möglich, weil man vor diesem mindestens vier Wochen auf Cortison verzichten muss und vier Wochen ohne schwere allergische Reaktion gab es leider nicht. Der Zufall wollte es, dass ich genau zu dieser Zeit in Heidelberg bei einem Vortrag von Frau Dr. Baumeister Jesch war, die auch schon mehrere Bücher zu dem Thema geschrieben hat, und sie beschrieb exakt die auftretenden Symptome.

Was passiert bei HPU im Körper?

Durch Auslöser wie Stress, Umweltbelastungen, Infektionen oder auch nur grippale Infekte bilden sich Substanzen, die den Körper stark belasten. Der Körper versucht, sie loszuwerden indem er Zink, Mangan und aktiviertes B6 an die fehlerhaften Moleküle hängt. Dadurch wird es wasserlöslich und kann ausgeschieden werden. Dadurch kommt es aber auch zu einem Mangel an Zink, Mangan und B6.

Warum ist HPU so wenig bekannt?

Erstens ist die HPU ist eine Stoffwechselstörung, keine Erkrankung. Ob sich Beschwerden entwickeln, hängt von den Lebensumständen wie Stress und von der Giftexposition – wie Lacke, Abgase, Zahnfüllungen usw. – ab. Zweitens äußern sich viele Symptome psychisch und die Psychiatrie zählt zu den Stiefkindern der Medizin, was dazu führt, dass keine großen Geldsummen für psychiatrische Forschungszwecke investiert werden. Ein dritter Grund ist, dass die HPU mit Mikronährstoffen sehr gut zu behandeln ist und daran haben Pharmafirmen kein großes Interesse. Viertens ist das Symptomspektrum sehr breit gefächert.

In welchem Alter tritt HPU in der Regel auf?

Meist im jungen Erwachsenenalter zwischen 20 und 30. Zu Beginn erscheinen ernste Beschwerden nur nach direkten Auslösern wie Stress und Infektionen und verschwinden dann wieder, bis die Symptome immer häufiger auftreten und der Patient sich nicht mehr vollständig erholt. So entsteht die Grundlage für zahlreiche Beschwerden und ernsthafte Erkrankungen.

Was sind die Anzeichen für eine HPU-Erkrankung?

Es gibt Körperzeichen, Charaktermerkmale und allgemeine Symptome, die darauf hinweisen können. Weiße Flecken auf den Fingernägeln, überstreckbare Gelenke, feine Haare, blasse Lippen, Ränder unter den Augen, Schwangerschaftsstreifen, Mühe an einem Seil hochzuklettern. Außerdem kommt es in der Familie häufiger zur Geburt von Mädchen und HPU-Betroffene sind zumeist perfektionistische Menschen. Die Symptome lassen sich aus den Mangelerscheinungen der Mikronährstoffe herleiten. Ein Mangel an Zink führt zum Beispiel zu Haut- und Haarproblemen, Störungen der Sexualität und der Fruchtbarkeit und zu Infektanfälligkeit. Ein Mangel an Vitamin B6 führt zu Störungen des Muskel- und Aminosäuren-Stoffwechsels, zu einem gestörten Auf- und Abbau von Neurotransmittern, sodass sich psychische Probleme und Schlafstörungen entwickeln können. Histaminabbau und Magensäurebildung sind auch B6 abhängig, deshalb können sich Allergien, Magen-Darmbeschwerden, Unverträglichkeiten usw. entwickeln.

Welche Symptome löst eine nicht behandelte HPU-Erkrankung aus?

Unter Stress fühlt sich ein-HPU Patient sehr schnell überfordert und kann sehr schnell aggressiv werden. Die Konzentrationsfähigkeit kann sehr stark eingeschränkt sein. Es können sich Allergien, Schilddrüsenstörungen, Depressionen, Erschöpfung, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Gelenkerkrankungen, Blutzucker und Brutdruckprobleme entwickeln. Auch Zyklusstörungen sind bei Frauen recht häufig. Außerdem haben Frauen ein viel höheres Risiko für Fehlgeburten und Kinder wie Erwachsene können eine Aufmerksamkeitsdefizit und/oder Hyperaktivitätsstörung entwickeln.

Wie lässt sich HPU nachweisen?

Für einen ersten Überblick kann man sich den HPU-Fragebogen downloaden, um zu sehen ob ein Urintest sinnvoll ist. Mit dem lässt sich die Störung dann eindeutig nachweisen. Wichtig ist nur, mehrere Wochen vor dem Test auf Zink- und B6-Supplemente zu verzichten. Den Test können sie bei uns beziehen.

Wie sieht die Therapie aus?

Ganz einfach mit Mikronährstoffen wie Zink, Mangan, Magnesium und aktivem B6. Man fängt mit tiefen Dosierungen an und steigert langsam nach oben. Es gibt Präparate, in denen diese Mikronährstoffe in der entsprechenden Dosierung enthalten sind. Menschen mit Reizdarmsyndrom oder psychischen Belastungen fangen mit Zink und Taurin an und wechseln nach zwei bis drei Monaten zu normalen Kombipräparaten. Empfehlenswert ist morgens ein Kombipräparat zum Ausgleich der HPU und abends ein Multipräparat – ohne Kupfer. Kupfer erst dann, wenn das Zink-Kupfer-Verhältnis im Körper wieder passt, denn durch das ständige Ausscheiden von Zink kommt es zu einem Kupferüberschuss. Die Einnahme von nicht aktivem Vitamin B6 – wie es in den meisten Vitaminpräparaten enthalten ist – ist meist wirkungslos. Der Körper benötigt Zink, Magnesium und Vitamin B2 um Vitamin B6 zu aktivieren, aber genau diese Substanzen liegen bei HPU-Betroffenen zumeist im Mangel vor. So kommt es schließlich zu einem hohen B6-Spiegel im Blut, den der Körper nicht verwerten kann. Essen sie alle zwei Stunden eine kleine Mahlzeit, vermeiden Sie Zucker, Gluten und Kohlenhydrate, meiden Sie Überanstrengung und gehen sie am besten täglich für eine halbe Stunde bis eine Stunde an die frische Luft. Eine Therapie dauert ca. vier bis sechs Monate. Durch die Einnahme der B-Vitamine wird die Blutbildung gesteigert – bei Patienten mit hohem Eisenspiegel geht das schneller. Das liegt daran, dass für die Blutbildung Eisen erforderlich ist. Die Halbwertszeit der roten Blutkörperchen beträgt ca. vier Monate – das ist der Zeitraum, den so eine interne Blutwäsche in Anspruch nimmt. Jeder entscheidet dann selbst, wann es sinnvoll ist, damit wieder aufzuhören. Man muss sich bewusst sein, dass jedes Stressereignis eine neuerliche Einnahme erfordert. Manche Patienten, die ein Burnout erlitten haben oder an chronischer Erschöpfung leiden, wollen gar nicht mehr auf Mikronährstoffe verzichten – was durchaus in Ordnung ist.

Ist sonst noch etwas nötig?

Ja, HPU-Patienten sind schlechte Entgifter, das heißt die zwei großen Entgiftungssysteme im Körper arbeiten nicht richtig. Bei vielen wirkt die Einnahme von Zink, B6 und Mangan schon entlastend – viele erleben dadurch aber keinen Durchbruch, weil sich einfach schon zu viel aufgestaut hat. Sinnvoll ist es intrazellulär durch Zink und aktivem B6 zu entgiften und den Abtransport aus dem Gewebe mit Chlorella und Bärlauch zu unterstützen.

Was ist, wenn HPU nicht erkannt oder nicht behandelt wird?

Wenn man mehrere Beschwerden hat und nichts unternimmt, wird es leider immer schlimmer und kann zu sehr starken psychischen Verstimmungen bis zum Burnout führen. Die Schilddrüse kann außer Kontrolle geraten – wie auch andere Hormonsysteme im Körper. Aus diesem Kreislauf kommt man nicht mehr heraus.

Wo fange ich an, wenn ich nun eine HPU Erkrankung vermute?

Abschließend möchte ich noch sagen: ja, ich weiß, das hört sich jetzt alles relativ kompliziert an. Am besten füllen Sie den HPU-Fragebogen aus und kommen Sie zu mir in die Apotheke.